• Paradox Interactive: Europa Universalis IV REVIEW

    Als ich vor über sechs Jahren mit der gerade erworbenen und sehr schicken Europa Universalis III Box nach Hause kehrte, war ich alles andere als ein EU-Jünger. Dies sollte sich im Laufe der Jahre aber noch ändern. Insbesondere durch die später erschienenen DLC´c wurde der dritte Teil von Paradox Interactive´s Strategie-Epos richtig gut. Dementsprechend war ich natürlich auf den neuen Teil gespannt. Über das Spiel an sich werde ich nicht allzu viel berichten. Das Spielprinzip von Europa Universalis dürfte hinreichend bekannt sein. Man führt eine Nation seiner Wahl aus dem Ende des Mittelalters durch die frühe Neuzeit. Dazu bedient man sich aus einer Fülle an diplomatischen, wirtschaftlichen und militärischen Optionen und Entscheidungen.

    Seit dem Erscheinen des ersten Teils im Jahr 2000 hat die Serie einen weiten Weg zurück gelegt. Dementsprechend ausgereift und komplex ist das Spiel. Mit Europa Universalis IV wird dieser Weg konsequent fortgeführt. Wer bahnbrechende Neuerungen oder ein komplett neues Spielgefühl erwartet liegt falsch. Man kann die Serie durchaus mit einem VW Golf vergleichen. Der Wolfsburger Autokonzern geht bei seinem beliebtesten Vorzeigeprodukt auch kein Risiko ein und liefert stets gewohnte Kost. Never change a winning Team. Spieler, die schon Erfahrung mit dem direkten Vorgänger haben, werden sich also sofort zurecht finden. Die Unterschiede zu EU III fallen relativ überschaubar aus. Auf einige werde ich im nachfolgenden Review eingehen.

    Europa Universalis IV verwendet Paradox´s verbesserte "Clausewitz"-Engine, die auch schon bei Sengoku, March oft the Eagles und Crusader Kings II Anwendung fand. Apropos CK II: EU IV beinhaltet auch einen Savegame Converter, mit dem man Spielstände aus CKII importieren kann. Man kann also erst eine Nation durch das Mittelalter führen und dann direkt in EU IV weiter spielen. Wie gut dieses Feature funktioniert kann ich allerdings nicht sagen. Ausprobiert hatte ich das nicht. Paradox Interactive zeigte sich zudem im Vorfeld besonders kundenfreundlich. Wer EU IV per Steam vorbestellte erhielt kostenlos ihren mehrfach ausgezeichneten Titel "Crusader Kings II" kostenlos dazu. Dies aber nur am Rande.



    Im meinem Probespiel entschied ich mich für Brandenburg. Beim Vorgänger war dies eine meiner Lieblingsnationen. Da das Spiel keine Ziele oder Siegesbedingungen vorgibt, kann man also agieren wie man möchte. Persönlich war mein Wunsch natürlich erst Preussen und dann Deutschland zu gründen. Auch der Kaiserthron des Heiligen römischen Reiches deutscher Nationen ist erstrebenswert. Ich hatte allerdings früher auch immer gerne Bayern gespielt oder mit Spanien. Letztere Nation eignet sich natürlich hervorragend für die Entdeckung und Besiedlung der neuen Welt.

    In meinem aktuellen Spiel mit Brandenburg schreiben wir bereits das Jahr 1629. Ich verhielt mich relativ konservativ. Dennoch ist schon ein guter Teil Norddeutschlands unter meine Herrschaft gefallen. Meist durch diplomatische Winkelzüge und das friedliche Annektieren von kleineren Vasallen. Den Kaiserthron hat meine Dynastie schon seit drei Generationen inne. Ich warte noch auf die Ausbreitung des Protestantismus. Dies ist Voraussetzung um Preussen gründen zu können. Im Reich ist meine Position unumstritten. Lediglich der französische Nachbar wird allmählich lästig. Hier dürfte es bald zu einem fordernden Schlagabtausch kommen.



    Kommen wir mal direkt zu den wesentlichen Veränderungen und Neuerungen in EU IV. In Sachen Forschung und Entwicklung wird nun auf die alt bekannten Schieberegler komplett verzichtet. Diese wurden ersetzt durch drei Werte: die administrative, diplomatische und militärische Macht, welche über Zeit generiert werden. Verschiedene Faktoren spielen hier herein, wie zum Beispiel erfahrene Minister. Damit lassen sich Technologien oder ganze Ideengruppen freischalten. Das neue System gefällt mir wesentlich besser als früher. Allerdings benötigte ich schon einige Zeit um hier ganz durchzublicken. Das obligatorische Ingame-Tutorial behandelt diesen wichtigen Aspekt nur unzureichend und das Handbuch hatte ich kurzerhand nicht gelesen. Ist aber einmal der Gordischer Knoten geplatzt, ist die Forschung bzw. die Progression der eigenen Nation durchaus ein interessanter Spielbestandteil und nicht so generisch wie beim Vorgänger.

    Besonders gefreut hatte ich mich über die Überarbeitung des Handels-Systems. Ehrlich gesagt hatte ich dieses Feature bei EU III komplett ignoriert. Dort musste man noch gegen Geld Händler in die Handels-Zentren entsenden, welche dort aber meist genauso schnell wieder vom Markt gedrückt wurden wie sie eingetroffen waren. Besonders realistisch war die ganze Sache ebenso wenig. Ergo hatte ich mich damit erst gar nicht mehr beschäftigt und mir die Kosten für die Händler gespart. Im aktuellen Teil ist der Handel endlich nachvollziehbar und man kann gezielt daran arbeiten. Insbesondere der angeschlossene Seehandel gefällt mir gut. Wer eine ordentliche Handelsflotte unterhält, hat nicht mehr lange unter Geldmangel zu leiden. Binnenländer sehen somit in Sachen Handelseinnahmen etwas blasser aus. Aber so war es eben.



    Europa Universalis IV war schon beim Release einwandfrei spielbar und im grossen und ganzen bugfrei. Ein positiver Trend der seitens Paradox seit Sengoku konsequent fortgesetzt wird. Auch sind schon mehrere Patches erschienen. Die Schweden lassen sich bei ihrem Vorzeigetitel eben nicht lumpen. Hinsichtlich der Performance kann ich auch nicht meckern. Gespielt habe ich EU IV laut meiner Steam Datenbank bislang über 60 Stunden auf zwei verschiedenen Systemen (Spezifikationen siehe unten). Zu Abstürzen oder Aufhängern kam es nicht. Auf meinen relativen High End Desktop-PC lief das Spiel wie geschmiert. Dort lag es aber auch auf einer SSD Festplatte. Geladen wird das Spiel somit in wenigen Sekunden. Lediglich zum Monatswechsel gibt es eine kurze Verzögerung. Auch auf meinem etwas betagteren Gaming Laptop war der Titel einwandfrei spielbar, auch wenn die Ladezeiten dort schon einige Minuten dauerten. Aber selbst hier habe ich keinerlei Lags zu vermelden.

    Fazit:
    Ein Pflichtkauf für alle Paradox Anhänger. Fans von tiefgründigen Strategiespielen sowie ambitionierte Weltenbauer sollten sich das Spiel auch nicht entgehen lassen. Neben Crusader Kings II stellt Europa Universalis IV nun sicher das beste Spiel der Schweden dar.

    Grafik & Sound 8/10
    Nach wie vor gehört die Clausewitz Engine rein optisch sicher zu den besseren Vertretern des Strategiespielegenres. Auch die Musik ist, wie aus früheren Paradoxtiteln gewohnt, erste Sahne und recht abwechslungsreich.

    Steuerung & Interface 8/10
    Viele der Buttons und Anzeigen empfinde ich nach wie vor zu klein. Das hatte ich schon seit Sengoku bemängelt. Neueinsteiger der Serie brauchen etwas Einarbeitung. Tooltipps sind aber durchweg vorhanden. Erfahrene Spieler hingegen können direkt loslegen.

    Atmosphäre 9/10
    Man merkt es der Serie an, dass diese über Jahre gewachsen ist. Massig Events und Ereignisse bereichern das Spiel. Die alternative Entwicklung der neueren Zivilisation macht Spass. Wer ein komplett historisch verlaufendes Spiel sucht, muss sich aber woanders umsehen.

    Spielumfang 10(12)/10
    Der Wiederspielwert von Europa Universalis ist wie gewohnt enorm. Jahrelanger Spielspass ist garantiert, ebenso wie die Weiterentwicklung des Spiels. Erste Mods sind auch schon erschienen, unter anderem von den Jungs von DMP. Die maximale Punktzahl in dieser Kategorie samt der begehrten Überwertung scheint mir angemessen.

    Künstliche Intelligenz 9/10
    Die gute KI hat mich mehrfach überrascht. Entweder war das nur reiner Zufall, oder Paradox hat hier noch etwas mehr herausholen können. Besonders gefreut hatte ich mich immer wieder, wenn ein fremder Staat ein Fürstentum des Heiligen römischen Reiches angegriffen hat und nach meiner Beistandserklärung sofort wieder einen Rückzieher machte. Man legt sich halt nicht mit dem Deutschen Kaiser an.

    Gesamtwertung: 92%


    "Europa Universalis IV" ist unter anderem erhältlich bei Steam



    Testsysteme: iCore7 3770 - 16GB Ram - GTX680 sowie Core2Duo 6600 (Mobil) - 4GB Ram - GT220M ->Folgt uns auf Twitter<- ->Besucht uns auf Facebook<-

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