• Matrix Games: Conflict of Heroes - Awakening the Bear REVIEW

    Matrix Games hat letzte Woche "Conflict of Heroes: Awakening the Bear - Russia 1941-1942" veröffentlicht und wir haben nun das Vergnügen ein Review zu dem Spiel nachzureichen. Das rundenbasierte Taktikspiel ist eine Brettspielumsetzung aus Uwe Eickert´s "Conflict of Heroes"-Serie aus dem Hause Academy Games, die sich international grosser Beliebtheit erfreut und schon einige Auszeichnungen für sich verbuchen konnte.

    Als Entwicklungsstudio für die PC Umsetzung diente Western Civilization Software (WCS) , die bereits mit Titeln wie "Forge of Freedom" oder "Crown of Glory" ihr Können unter Beweis stellten.

    Die Szenarien von "Conflict of Heroes: Awakening the Bear", im nachfolgenden Review nur noch mit "CoH" abgekürzt, sind in den Kriegsjahren 1941 und 1942 an der deutschen Ostfront in Russland angesiedelt. Hier darf der Spieler in die Rolle eines deutschen oder sowjetischen Kommandeurs schlüpfen und wahlweise gegen die KI oder einen menschlichen Gegner seine Truppen ins Felde führen.

    Da ich selber kein Brettspiel dieser Serie mein Eigen nenne, kann ich leider nicht über etwaige Unterschiede der PC-Version zur Brettspielvorlage berichten oder inwiefern die Adaption sich vom Original in Sachen Spielregeln unterscheidet.




    Nach dem Starten des Spiels hat man im Hauptmenü die oligatorische Möglichkeit, den Schwierigkeitsgrad einzustellen oder die Spielregeln, wie zum Beispiel Fog of War, zu verändern. Von hier aus kann man auch die Multiplayer Lounge betreten oder ganz einfach ein Singleplayer-Szenario auswählen. Zum Betreten der Multiplayer Lounge benötigt man einen Account auf der Slitherine Gamingseite, der sofern nicht schon vorhanden, binnen weniger Klicks eingerichtet werden kann. Multiplayersessions werden über den bewährten PBEM++ Server von Slitherine in Echtzeit mit seinem Kontrahenten ausgetragen.

    Neben drei Tutorialmissionen, welche kurz die grundsätzlichen Regeln des Spiels erklären, stehen knapp 30 Szenarien zur Verfügung. Zwar ist ein Kampagnenspiel nicht möglich, jedoch gibt es Szenarienketten, wie die "Commanding Heights", die fünf Schlachten auf der Halbinsel Kertsch im Jahre 1942 wiedergeben.



    Nach Auswahl des Szenarios wird dem Spieler mittels einer kleinen Einweisung ein Überblick über die Lage und Ziele der Schlacht gegeben. Weitere Informationen wie Verstärkungen, Feindaufklärung und Artillerieeinsätze werden außerdem mitgeteilt. In manchen Szenarien hat man unmittelbar anschliessend die Möglichkeit, sich seine Streitmacht selber zusammenzustellen.

    Hierfür steht eine vorgegeben Anzahl von Punkten zur Verfügung mit denen man aus einer reichhaltigen Auswahl von Truppentypen, wie Schützeninfanterie, Pioniere, MG-Trupps, Mörser, Feldgeschütze oder Paks sowie Panzer-, Halbketten- oder Radfahrzeugen auswählen darf. Auf den richtigen Mix der Truppen kommt es an. Mir gelang es oft erst nach etlichen Versuchen und Herumexperimentieren meiner Einheiten, ein Szenario zu bewältigen.



    Hat man seine Truppen zusammengestellt geht es weiter zur stufenlos zoombaren Gefechtskarte, auf der man im Prinzip den Rest des Spiels verweilt. Bei einigen anderen Szenarien entfiel der Einheitenkauf und die Starttruppen waren vorgegeben. Da ich natürlich im Rahmen des Reviews nicht alle Szenarien angespielt habe, kann ich nicht Auskunft darüber geben, wie viele Szenarien es mit oder ohne Einheiten Kaufoption gibt.

    Die Karten sind recht ansehnlich in 3D modelliert. Die Steuerung bzw. Kameraführung per Maus entfand ich als ziemlich hakelig. Man hat auch die Möglichkeit die Karte in der Vogelperspektive zu fixieren, was bei einer Brettspielumsetzung zwar angebracht wäre, hier bei CoH aber den Spieler etwas die Übersicht verlieren lässt. Höhenunterschiede sind in der Vogelperspektive schwer auszumachen.



    Bei den Einheiten darf man zwischen 3D-Modellen und Spielsteinen aus der Brettspielvorlage umschalten. Erstere sind zwar schick in 3D umgesetzt, bei herausgezoomter Karte aber oft nicht voneinander zu unterscheiden. Man darf zwar mittels der Taste "N" einen Schriftzug des Truppentyps über der Einheit einblenden, was aber die Karte oft derart mit Schriftzeichen überlädt, dass ich davon nicht Gebrauch machte.

    Hier gefielen mir die Spielsteine deutlich besser. Allerdings wirken diese recht unscharf. Obwohl ich auf einem 27" TFT Monitor testete, musste ich doch oft nah heranzoomen um zu erkennen, worum es sich bei der Einheit genau handelte. Auch bei veränderter Auflösung und Veränderung vorhandener Grafikeinstellungen blieb dieses Problem bestehen. Im Matrix Games Forum ist dies auch bereits Gesprächsthema gewesen und so wie ich es verstanden habe, möchte der Developer hier nocheinmal Nacharbeit leisten.

    Auch hätte man, meiner Meinung nach, bei einer Brettspielumsetzung auf allzuviel 3D-Schnickschnack verzichten können oder zumindest optional schön gezeichnete 2D-Karten für die Vogelperspektive als Option zur Verfügung stellen können. Ich glaube, dass die Zielgruppe von CoH eher ältere Spielernaturen oder auch schlicht gesagt Puristen sind, die sich ohnehin von dem neumodischen Grafikzwang nicht besonders beeindrucken lassen.



    CoH an sich spielt sich recht flott und zügig. Jede Partei darf grundsätzlich immer eine Aktion ausführen, so dass die Aktionsrunden im Sekundentakt hin und her flippen. Somit unterscheidet sich das Spiel von anderen Strategiespielen doch recht deutlich, die auf altbewährte IGO-UGO-Mechanismen zurückgreifen, bei der eine Seite erst all ihre Aktionen durchführt, bevor dann der Gegner an der Reihe ist. Muntere und lebhafte Multiplayergefechte sind somit angesagt, die insbesondere mit Freunden auf Teamspeak und zwei (oder drei) Flaschen Bier so richtig Laune machen.

    Die Spielregeln sind mannigfaltig und sollten doch erst einmal im Singleplayermodus erlernt werden. Gruppenbewegung ist eine dieser Regeln, die recht wichtig ist und eine kleine Ausnahme darstellt. Mit der Gruppenbewegung lässt sich ein ganzes Platoon bewegen, bevor der Gegner wieder an der Reihe ist. Schnelles Vorrücken, gestützt auf dem Einsatz von Nebel und Sperrfeuer, ist als Angreifer unabdingbar, sofern man nicht vor hat, im konzentrischen Feuer der Verteidiger schon im Vorfeld liegenzubleiben. So simpel wie dieses Spiel den Eindruck erwecken mag ist es nämlich nicht. Schon die KI versohlte mir in den ersten Spielabenden wiederholt den Arsch, und das auf dem leichten Schwierigkeitsgrad. Erst dann sah ich mich genötigt, mich ernsthaft mit den Spielregeln und Möglichkeiten vertraut zu machen.



    Das Spielgeschehen ähnelt dann in der Tat einem Brettspiel oder einer Schachmeisterschaft. Eigene und feindliche Spielsteine werden geradezu gewöhnungsbedürftig schnell von der Karte geflippt. Da der Spieler auch ständig unter Zeitdruck steht, bleibt (leider) auch oft keine Zeit sich grossangelegte Umfassungsmanöver auszudenken.

    Diverse Aktionskarten geben noch die Möglichkeit kleiner Finessen. So darf man den Gegner mal eine Unterrunde aussitzen oder eine eigene Einheit einen Extraschuss durchführen lassen. Der Einsatz der begrenzt zur Verfügung stehenden Aktionskarten kann oft den Auschlag über den Ausgang einer Schlacht geben.





    Fazit:
    Eine Perle unter den Multiplayerspielen ist geboren. Man merkt es dem Spiel an, dass es mit viel Hingabe und Spaß programmiert wurde. Allerdings fehlt noch der letzte Feinschliff. Hier bitte ganz schnell nachbessern und dranbleiben, liebe Entwickler.

    Grafik & Sound 7/10
    Die Grafik ist gut und die Spielsteine liebevoll umgesetzt. Allerdings wirkt die 3D-Umgebung teilweise etwas störend und den Spielsteinen fehlt es etwas an Schärfe. Die Hintergrundmusik ist abwechslungsreich und überdurchschnittlich gut. Die abschaltbare Sprachausgabe der Einheiten wiederholt sich zu oft. Da sollte der Entwickler WCS noch mehr Varianten nachschieben, sonst nervt es zu schnell.

    Steuerung & Interface 7,5/10
    Das Interface ist leicht verständlich. Besonders gelungen finde ich das Ingamehandbuch. Die Kamerasteuerung ist, wie weiter oben angesprochen, noch nicht optimal.

    Atmosphäre 8,5/10
    Natürlich war es hier nicht der Plan der Entwickler, ein atmosphärisches Feuerwerk abzuliefern, sondern eine Brettspielumsetzung. Dies ist durchaus gelungen, auch wenn einige kleinere Gamebreaker, wie die angesprochene Grafk und Steuerung, noch verbesserungswürdig sind.

    Spielumfang 8/10
    Ein solides Sortiment von Szenarien, ein Szenarioeditor und Multiplayer. Da gibt es nichts zu bemängeln. Je einen Punkt Abzug gibt es für das Fehlen verlinkter Kampagnen sowie für den doch nicht geringen Preis von 40 Euro für den Download (inklusiv Mehrwertsteuer). Hier empfehle ich gleich den Kauf der Boxversion, die inklusive Fracht und einem gedruckten Handbuch auf nur 45 Euro kommt.

    Künstliche Intelligenz 9/10
    Dem Matrix Games-Forum habe verschiedene Meinungen entnommen. Viele beschweren sich über die schwache KI, andere finden diese richtig knackig. Ich schliesse mir der zweiten Meinung an. Mag durchaus sein, dass ich einfach nur schlecht bin und nicht alle Regeln und Möglichkeiten voll ausschöpfe, aber ich liege der KI gegenüber noch klar im Hintertreffen.

    Gesamtwertung: 80%


    "Conflict of Heroes: Awakening the Bear - Russia 1941-1942"
    ist unter anderem erhältlich bei Matrix Games oder Slitherine.


    Kommentare 2 Kommentare
    1. Avatar von Andrew01
      Andrew01 -
      das ist eindeutig was für´s Ipad, da würde sogar ich mir das anschaun und ne Runde spielen
    1. Avatar von Pulk.
      Pulk. -
      Es wäre schön, wenn es ein Bundle gäbe. Also kaufe eines, bekommst ein zweites gratis. Dann könnte man mit einem Kumpel zocken. Ich mag nicht auf random Spielpartner angewiesen sein.
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